«Geschriebener Himmel»

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Da kommen nostalgische Gefühle hoch: Das Foto zum Artikel zeigt auch Büro Format-Mitbegründer Christian Feurstein, der mittlerweile leider die Schweiz verlassen hat und zurück nach Österreich gekehrt ist (Griass di, Crizzy! :-). Geschossen wurde das Foto vor unserem ehemaligen Büro an der Harfenbergstrasse in St. Gallen, wo wir eines Nachts den BF-Schriftzug an die Fassade gebeamt haben.

 

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«Geschriebener Himmel»

Tiziani/Feurstein: Zwei Jungunternehmer mit kommunikativen Ideen bereichern die Stadt von Brigitte Schmid-Gugler, erschienen am 9. Februar 2008 im St. Galler Tagblatt

 

ST. GALLEN. Gäbe es keine Fremdwörter, könnte man die Geschichte mit «Gestaltetem Austausch eine Form geben» umschreiben. Heutzutage sagt man dem Kommunikationsdesign und meint damit das Gleiche.


Wer an der Harfenbergstrasse 17 in St. Gallen stehen bleibt und einen Blick ins Innere der Fenster wirft, sieht – auch wenn draussen schwere Regenwolken hangen – nur Himmel. In grosser, schöner Schnüerlischrift und erst noch blau an die Decke gemalt. Wenn das keine himmlische Aussicht auf überraschend Erhellendes ist! Manuel Tiziani (30) sitzt an einem hübsch aufgeräumten Pult mit Laptop, über ihm besagter Himmel, und sonst nichts. Ausser seinem Lachen natürlich und die spontane Einladung zum Kaffee. Seit bald einem Jahr sind sie hier an der Adresse der legendären früheren Bäckerei Stiefel, er und sein Büropartner Christian Feurstein (26). Dieser, aufgewachsen im vorarlbergischen Schwarzenberg, erzählt von den Studienjahren an der Fachhochschule in Dornbirn, wo er gemeinsam mit Manuel Tiziani den Diplomkurs «Intermedia» absolviert hat. Beiden war ihre grosse Begeisterung für Gestaltung gemeinsam; nach den rsten zwei von vier Jahren mit den Aufbaukursen in den Bereichen Printmedien, Video/Audio und Web entschieden sie sich für den Studiengang «Intermedia/Kommunikationsdesign» und spezialisierten sich dort auf die Gestaltung von Printmedien.


Diplomarbeit mit Wohnmobil
Man muss sich das Wort zwischen der Zunge zergehen lassen: Kommunikationsdesign. Aus dem Lateinischen stammend, heisst der erste Teil des Wortes so viel wie teilen, mitteilen, teilnehmen lassen. Auf der menschlichen Alltagsebene ein gemeinschaftliches Handeln, in dem Gedanken, Ideen, Wissen, Erkenntnisse, Erlebnisse (mit)geteilt werden und auch neu entstehen. Wogegen «Design» für Entwurf oder Formgebung steht. Christian und Manuel, so viel ist verbürgt, liessen es nicht beim Geschmack auf der Zunge, sondern setzten es in Form einer gemeinsamen Diplomarbeit in die Tat um. Mieteten ein Wohnmobil und fuhren von Vorarlberg Richtung Norden, auf der Suche nach den Protagonisten ihrer Forschungsarbeit: den bekanntesten europäischen Schriftgestaltern bzw. Typographen.
Zuoberst auf der Begegnungs-Wunschliste stand der Schweizer Typograph Adrian Frutiger, einer der bedeutendsten seiner Branche im 20. Jahrhundert. Frutigers 1978 erschienenes Buch «Der Mensch und seine Zeichen» gilt als Standardwerk zur Zeichentheorie. Auf der zweiten Seite der 272 Seiten umfassenden Diplomarbeit von Manuel Tiziani ist Frutigers handgeschriebene, aus gesundheitlichen Gründen erfolgte Absage abgedruckt – als respektvoller Verweis an sein bewundernswertes Lebenswerk.


Entscheidender Auftritt
Die Erlebnisse und Begegnungen jener dreiwöchigen Reise nach Wien, Prag, Berlin, Hamburg, Amsterdam, Den Haag und Auxerre hielten beide Studenten individuell in einem Buch mit dem Titel «Tour de Typo» mit Bildern und Interviews fest. Ein Jahr nach ihremAbschluss wurden die beiden diplomierten Kommunikationsdesigner eingeladen, die aussergewöhnliche «Tour de Typo» im Rahmen der vom österreichischen Fachverband in Wien organisierten «Vienna Designweek» vorzustellen. Und wenige Monate später erfolgte die Anfrage der Agentur «ovos», ob Zeit und Lust vorhanden wären, für die kommende Euro 08 einen «kleineren» Auftrag auszuführen ...


Flutlicht für EM
Nach ihrem Diplomabschluss waren Tiziani und Feurstein eigene Wege gegangen. Letzterer nach Berlin, wo er für ein Musikmagazin arbeitete. Tiziani, mit einem früheren Abschluss als Religionslehrer in der Tasche und dem festen Entschluss, sich als Kommunikationsdesigner selbständig zu machen, arbeitete als Freelancer, bis er eines Tages zufällig vor dieser Türe an der Harfenbergstrasse stand. Mit dem Mieter des Büros, Richi Küttel, ins Gespräch kam und mit besagtem Pult beim Eingang hier seinen Mitmieter-Einstand gab. Kurze Zeit später gesellte sich Feurstein dazu – in Berlin hatte es inhaltlich zu «chnorzen» angefangen.
Unter dem Firmenlabel «Büro Format» führt das Gestalterkollektiv seither kleinere und grössere Aufträge aus, so etwa für ein Clownpaar in Mainz, für die Schulgemeinde Arbon und nun auch für «ovos». Dabei bearbeiten die beiden Jungdesigner das Internetportal «prooms.com», welches in den kommenden Monaten häufig aufgeschaltet werden dürfte. Es richtet sich an Anbieter und Benützer von Privatzimmern für Besucherinnen und Besucher der EM, die man via Internet suchen und buchen kann. Für die dafür werbende Postkarte nahmen Tiziani/Feurstein ein Goal auf dem Fussballfeld von Au ins Visier, spannten dahinter schwarze Tücher auf, liessen sich Flutlicht geben, setzten ein Bett mit Nachttischchen, Pflanze etc. ins Goal, Christian zähneputzend davor und darunter den Slogan: «Schlafraumstatt Strafraum».
Die beiden Gestalter erhielten viel Lob für ihre Idee – und nicht nur das: Die Postkarte wird, präzis gemäss ihrem Vorschlag, gedruckt. YabbaDabbaDooo!